Wie man sich gegen einen Crash absichert

Hierzulande sind vergleichsweise wenige Menschen in Aktien investiert. Das liegt zum großen Teil an den erschreckend geringen Kenntnissen über Geldanlage, aber auch an einer weit verbreiteten Angst vor Verlusten. Zumal sich inzwischen seit 11 Jahren die meisten Aktienmärkte im „Bullen“modus befinden. Verständlicherweise fragen sich viele Anleger, wie lange das noch gut gehen kann.

Was vor allem Anfänger meist nicht wissen: gegen fallende Kurse kann man sich auf unterschiedliche Weise absichern. Genau so, wie man sich als Immobilienbesitzer gegen Gebäudeschäden oder als Fahrzeughalter gegen Unfallschäden versichern kann, geht dies auch mit Aktien oder einem Aktienportfolio. Das kostet natürlich Geld, lässt einen aber auch ruhig schlafen. Deshalb möchte ich hier eine Absicherungsvariante erläutern, die sich recht einfach umsetzen lässt – durch den Kauf von Put-Optionsscheinen.

Optionsscheine sind Derivate, also aus einem Index oder einer Aktie abgeleitete Finanzinstrumente. Sie werden von Banken herausgegeben und verkauft. Damit kann – für vergleichsweise wenig Geld – man auf eine Wertentwicklung des entsprechenden Index oder einer Aktie spekulieren.  Und auf diese Weise auch ein Aktiendepot absichern.

Zur Veranschaulichung ein Beispiel. Angenommen, wir haben ein Aktiendepot aus deutschen Unternehmen, Wert 10.000 Euro, und wir wollen es gegen jegliche Verluste absichern. Dafür müssen wir einige Zahlen kennen und dann eine Berechnung ausführen. Als erstes nehmen wir den Depotwert (10.000) und teilen diesen durch den Indexstand (in diesem Fall den DAX, der heute bei ca. 13.775 Punkten steht). Also 10.000/13.775 = 0,72. Diesen Wert multiplizieren wir mit dem gewünschten Absicherungsgrad; da wir jegliche Verluste ausschließen wollen, liegt er bei 100%. Nun multiplizieren wir 0,72 mit diesen 100 und kommen auf 72. Das ist die Zahl der (Put-)Optionsscheine, die wir brauchen.

Nun müssen wir überlegen, für welchen Zeitraum wir unser Depot absichern wollen. Sagen wir 12 Monate. Der Absicherungsgrad soll 100% betragen. Mit diesen Angaben können wir nun im Internet nach einem geeigneten Optionsschein suchen, etwa bei ONVISTA. Als „Kategorie“ wählen wir „Optionsscheine“, als „Basiswert“ den „Dax“. Dann geben wir ein, dass wir einen „Put“ kaufen wollen, wählen die Laufzeit 12 Monate und den „Basispreis“, nämlich 13.775, und suchen einfach mal nach Angeboten zwischen 13.700 und 13.800 Punkten.

Als Ergebnis erhalten wir mehrere Angebote, die zwischen 8,87€ und 9,24€ kosten – je nach Spezifikation und Emittent. Emittent ist die Bank, die uns den Schein verkauft. Hier gilt es darauf zu achten, dass bei einer Insolvenz dieser Bank unser Schein wertlos wäre. Insofern sollte man hier einen Namen auswählen, von dem man ausgeht, dass er zum Ende der Laufzeit noch existiert!

Nun gut, nehmen wir an, wir wählen den Put-Optionsschein der UBS mit dem Kürzel UD0F0D bzw. ISIN CH0507826870. Dieser kostet 9,14€. Da wir davon 72 Stück brauchen, kostet uns die 100%ige Absicherung unseres Depots gegen Verluste für etwas über ein Jahr 658,08€ – das sind 6,5% unseres Depots. Nun muss jeder selbst entscheiden, ob ihm diese „Beruhigungspille“ dieses Geld wert ist. Alternativ könnte man auch eine geringere Absicherung wählen, die beispielsweise erst bei einem 20%-Crash greifen würde. Diese kostet dann rund 168€, also nur 1,68%.

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Bitte Einloggen , um einen Kommentar zu hinterlassen