Zwei Aktien-Screener, die kaum ein Investor kennt
Die meisten Anleger greifen bei der Aktien-Recherche immer zu denselben zwei, drei Tools: Finviz, TradingView, vielleicht noch der Screener des eigenen Brokers. Damit findest du genau das, was alle anderen auch finden. Wenn du aber systematisch nach Setups suchen willst, die wirklich einen Edge haben, lohnt es sich, den Tellerrand zu verlassen.
In meinem aktuellen YouTube-Video stelle ich dir zwei Screener vor, die in der deutschen Trader-Szene erstaunlich unbekannt sind – obwohl sie beide kostenlos nutzbar sind und dir genau die Art von Kandidaten liefern, die strukturierte Investoren und Swing-Trader suchen: Aktien mit echter Momentum-Stärke und Aktien mit technisch sauberen Chartmustern.
Warum du nicht einfach Finviz nehmen solltest
Finviz ist ein Alleskönner. Und genau das ist das Problem. Du bekommst 100 Filter, aber du musst selbst entscheiden, wie du sie kombinierst, wie du das Ergebnis sortierst und wann ein Setup „gut“ ist. Das kostet Zeit – und noch wichtiger: Es führt dazu, dass jeder dieselben drei Basis-Screens fährt (niedriges KGV, hohes Wachstum, nahe 52-Wochen-Hoch) und dann mit denselben Ergebnissen handelt.
Die beiden Tools, die ich dir hier zeige, gehen einen anderen Weg. Beide haben eine klare inhaltliche These. Sie sagen dir: „Das hier sind die stärksten Aktien nach einer bewährten Methode.“ Du musst nicht bauen, du musst nur auswählen.
Screener 1: RSL-Scan.de – Momentum nach Robert Levy
Die Relative Stärke nach Levy (RSL) ist eine der ältesten und robustesten Momentum-Kennzahlen, die es gibt. Robert A. Levy hat das Konzept 1967 im Journal of Finance veröffentlicht, und die Grundidee ist bestechend einfach:
Aktien, die in den letzten Monaten stärker gelaufen sind als ihr eigener historischer Durchschnitt, laufen mit hoher Wahrscheinlichkeit auch in den kommenden Wochen weiter stark.
Die Berechnung ist trivial: Aktueller Kurs geteilt durch den Durchschnitt der letzten 27 Wochenschlusskurse. Wert über 1 bedeutet Stärke, Wert unter 1 bedeutet Schwäche. Der Witz: Diese simple Kennzahl hat in hunderten akademischen Studien (O’Shaughnessy, Jegadeesh, Titman) funktioniert.
Das Problem in der Praxis: Du müsstest die RSL-Werte für hunderte Aktien selbst berechnen, täglich aktualisieren und ranken. Genau das macht rsl-scan.de für dich – kostenlos, ohne Anmeldung.
So nutzt du das Tool konkret:
- Öffne rsl-scan.de im Browser.
- Wähle dein Aktienuniversum. Zur Verfügung stehen S&P 500, NASDAQ 100, Russell 2000, Dow Jones (Industrial, Transportation, Utility), DAX 40, MDAX 50 und der chinesische SSE Composite.
- Entscheide zwischen 26-Tage-Basis (kurzfristig, für Swing-Trader) und 26-Wochen-Basis (mittelfristig, Levys Original-Einstellung).
- Du bekommst sofort ein tagesaktuelles Ranking. Die Top-20 sind deine Momentum-Kandidaten.
- Markiere interessante Werte als Favoriten, damit du sie über die Wochen beobachten kannst.
Meine Empfehlung: Nutze die 26-Wochen-Basis. Levy hat seine Strategie damit entwickelt, und mittelfristige Momentum-Signale sind deutlich robuster als kurzfristige. Für die meisten Privatanleger ist ein Check alle zwei Wochen völlig ausreichend.
Was du damit machst: Die Top-Aktien aus der RSL-Liste sind dein Recherche-Pool. Das heißt nicht, dass du sie blind kaufst. Du nimmst die Top-10 oder Top-20 und prüfst sie anschließend auf Fundamentaldaten, aktuelle News und einen sauberen Chart. RSL ist der Filter, nicht die Entscheidung.
Screener 2: AskLivermore.com – Chartmuster vom Algorithmus gefunden
Der zweite Screener spielt in einer anderen Liga – und zielt auf eine Schwäche, die ich bei vielen Privatanlegern sehe: Sie wollen nach Chartmustern traden (Bull Flag, Cup & Handle, VCP nach Minervini), aber sie schaffen es nicht, systematisch genug Charts zu screenen, um die wirklich sauberen Setups zu finden.
AskLivermore löst das: Der Dienst scannt jeden Tag über 5.000 US-Aktien an NASDAQ und NYSE und sucht automatisch nach 15–20 benannten Chartmustern. Jedes gefundene Setup wird von A+ bis B benotet. Du öffnest das Dashboard, siehst die stärksten Kandidaten, bekommst den Chart mit eingezeichnetem Muster – und entscheidest dann selbst.
Die Betreiber sind in diesem Punkt sehr klar: Das ist ein Scanner, kein Signal-Dienst. Sie geben dir keine Kauf- oder Verkaufsempfehlungen. Sie finden die Setups, dein Job ist die Entscheidung.
So gehst du vor:
- Registrier dich kostenlos auf asklivermore.com. Die Basisversion reicht für den Einstieg.
- Wähle die Kategorie, die zu deinem Stil passt. Zur Auswahl stehen unter anderem Day Trading, Swing Trading, Momentum, Earnings Plays, Value & Growth sowie Pre-/Post-Market.
- Such dir ein konkretes Pattern aus. Für Swing-Trader sind Bull Flag, VCP (Volatility Contraction Pattern) und Cup & Handle die Klassiker. Momentum-Trader schauen eher auf Minervini Trend Template oder Qullamaggie Breakout.
- Die Ergebnisse werden nach Qualität sortiert. Die A+-Setups zeigen enges Consolidation-Verhalten, starkes Volumen und saubere Struktur. Die oberen Treffer sind dein Startpunkt.
- Jeder Treffer kommt mit einem Live-Chart inklusive 50-Tage-GD und eingezeichnetem Muster. Du bestätigst das Setup visuell – und erst dann gehst du auf TradingView oder in deinen Broker, um die Position zu prüfen.
Tipp für deine Routine: Ich nutze AskLivermore vor allem am Sonntagabend, um die Woche vorzubereiten. Fünf bis zehn Minuten reichen, um 15 A+-Setups zu sichten und die zwei bis drei Kandidaten auszuwählen, die zu meinem aktuellen Makro-Bias passen.
Wie du beide Tools kombinieren solltest
Die wirklich spannende Arbeit beginnt, wenn du beide Screener zusammenbringst. Meine bevorzugte Vorgehensweise:
Zuerst prüfe ich in rsl-scan.de, welche Aktien aktuell die höchste relative Stärke zeigen. Das sind meine Momentum-Kandidaten. Danach gehe ich zu AskLivermore und schaue, ob eine der Top-RSL-Aktien dort mit einem A- oder A+-Chartmuster auftaucht. Wenn ja, habe ich einen doppelt bestätigten Kandidaten: starkes Momentum + technisch sauberes Setup.
Diese Kombination ist das, was professionelle Momentum-Trader wie Mark Minervini oder Qullamaggie seit Jahren machen – nur machst du es jetzt kostenlos und in einem Bruchteil der Zeit.
Wichtige Einschränkungen
Beide Tools sind exzellent in dem, was sie tun – aber sie sind keine Komplettlösung.
- Kein Tool ersetzt deine eigene Analyse. Ein Bull Flag in einem fallenden Markt ist trotzdem ein fallender Markt. Prüfe immer den Makro-Kontext und die Sektor-Rotation.
- Beide Screener basieren rein auf Kursdaten. Fundamentaldaten, Insider-Transaktionen, Earnings-Überraschungen musst du separat abprüfen.
- Momentum funktioniert nicht immer. In Bear-Markets oder bei scharfen Regime-Wechseln kann eine RSL-Strategie schnell in Verluste laufen. Risikomanagement bleibt Pflicht – jede Position bekommt einen Stop.
Wenn du wissen willst, wie ich diese Screener konkret in meinem Research-Prozess einsetze und welche weiteren Filter ich dahinterschalte, schau dir das komplette Video auf YouTube an. Dort zeige ich beide Tools live im Browser und gehe durch zwei aktuelle Beispiele aus der laufenden Woche.
Wenn du den strukturierten Makro-Blick dahinter vertiefen willst, findest du in meinem Makro-Kompass Newsletter jede Woche die aktuelle Einschätzung, in welchem Regime wir uns befinden – und wann Momentum-Strategien besonders gut funktionieren.



