Die Fed dreht den Geldhahn wieder auf – und keiner merkt’s!
Die Federal Reserve hat im Dezember etwas getan, das sie vehement bestreitet: Sie pumpt wieder Milliarden in die Märkte. Offiziell heißt es „Reserve Management Purchases“ – kein neues Quantitative Easing. Technisch korrekt. Praktisch? Die Liquiditätsflut ist zurück.
Während alle auf die 25-Basispunkte-Zinssenkung starrten, passierte im Hintergrund etwas viel Wichtigeres: Die mächtigste Zentralbank der Welt wechselte vom Modus „Liquidität entziehen“ zu „Liquidität stabilisieren“. Was das für dein Portfolio bedeutet und welche Sektoren jetzt profitieren, erkläre ich dir in diesem Artikel.
Das erwartet dich:
- Warum die Fed monatlich 40 Milliarden Dollar in Treasury Bills steckt
- Welche Parallele zu 2019 eine explosive Rallye vorhersagt (mit wichtigen Unterschieden)
- Warum Tech-Aktien schwächeln, während Banken und Small Caps abheben
- Konkrete Strategien für das kritische Zeitfenster im April 2026
Das drohende Liquiditätsproblem, das niemand kommen sah
Ganz ehrlich: Die wenigsten Anleger schauen sich die Bilanz der Federal Reserve an. Zu technisch, zu langweilig. Doch genau dort spielt sich gerade ein Drama ab, das über Gewinne und Verluste in deinem Depot entscheidet.
Ende 2025 drohte dem US-Bankensystem ein Liquiditätskollaps. Nicht wegen einer Krise, sondern wegen der Steuersaison. Jeden April fließen Milliarden von den Bankkonten der Steuerzahler aufs Konto des Finanzministeriums bei der Fed, den Treasury General Account (TGA). Stell dir das vor wie das Girokonto des Staates, nur dass es bei der Zentralbank liegt, nicht bei der Sparkasse. Das Problem: Dieser Geldabfluss entzieht den Banken direkt Reserven, also ihr Zentralbankgeld.
Normalerweise gibt es Puffer. Geldmarktfonds parken überschüssige Liquidität in der „Reverse Repo Facility“ der Fed; quasi ein riesiger Parkplatz für Geld, das gerade keine Verwendung hat. Im Notfall kann dieser Parkplatz angezapft werden, um Banken mit frischem Cash zu versorgen.
Doch Ende 2025 war dieser Parkplatz praktisch leer. Jeder Dollar Steuerzahlung würde jetzt direkt die Bankreserven treffen, also das Geld, das Banken bei der Zentralbank parken müssen.
Warum ist das ein Problem? Stell dir vor, du bist eine Bank und brauchst heute Abend 500 Millionen Dollar, um alle Überweisungen deiner Kunden zu bedienen. Normalerweise leihst du dir das von einer anderen Bank im Repo-Markt (siehe oben). Aber wenn die Reserven im gesamten System knapp werden, hat auch die andere Bank kein Geld mehr übrig. Niemand will leihen. Die Zinsen für diese Overnight-Kredite schießen nach oben – von vielleicht 3,5% auf 6%, 8%, oder sogar 10%, wie 2019 gesehen.
Das ist wie ein Bankenrun in Zeitlupe: Nicht die Kunden heben Geld ab, sondern die Banken finden untereinander kein Geld mehr. Das System friert ein. Kredite werden nicht vergeben, Überweisungen verzögern sich, Panik bricht aus.
Die Fed sah das Unheil kommen. Ihre Prognosen zeigten: Ohne Eingreifen würden die Bankreserven im April 2026 so tief fallen, dass das System illiquide wird. Die Folge? Genau dieser Alptraum aus explodierenden Refinanzierungskosten im Repo-Markt, Kreditklemme, und im schlimmsten Fall ein Stillstand des Zahlungsverkehrs.
Warnsignale gab es bereits im Dezember: Der SOFR (Secured Overnight Financing Rate) schoss plötzlich über den Leitzins. Was ist SOFR? Stell dir vor, Banken sind wie Nachbarn, die sich gegenseitig Geld leihen. Bank A braucht heute Abend 100 Millionen, hat aber nur Staatsanleihen im Tresor. Also leiht sie sich das Geld von Bank B und hinterlegt die Anleihen als Pfand. Morgen zahlt sie zurück, mit Zinsen. Das ist der Repo-Markt (Repurchase Agreement = Rückkaufvereinbarung).
Der SOFR misst, wie teuer diese Overnight-Kredite sind. Wenn er über den Leitzins steigt, bedeutet das: Die Banken kriegen Panik. Geld wird knapp. Sie zahlen mehr, als sie müssten. Rotes Alarmlicht.
Die Lösung: 40 Milliarden Dollar pro Monat (aber bitte nicht QE nennen)
Am 10. Dezember 2025 verkündete die Fed zwei Dinge:
- Quantitative Tightening ist beendet. Seit 2022 hatte die Fed ihre Bilanz geschrumpft, indem sie auslaufende Anleihen nicht ersetzte. Damit ist jetzt Schluss.
- Reserve Management Purchases starten. Klingt kompliziert, ist aber simpel: Die Fed kauft monatlich für 40 Milliarden Dollar US-Staatsanleihen – fast ausschließlich kurzlaufende Treasury Bills (das sind Schuldscheine des US-Staates mit Laufzeiten unter einem Jahr – quasi wie Bargeld mit einem Mini-Zins).
Stell dir vor: Du verkaufst der Fed einen dieser Schuldscheine. Sie überweist dir dafür Bargeld. Dieses frische Geld landet auf deinem Konto und sucht eine neue Anlage. Genau so funktioniert es bei Banken und Fonds. Die Fed tauscht Wertpapiere gegen Cash, und dieses Cash flutet dann die Märkte.
Fed-Chef Jerome Powell hat schon mehrfach betont: „Das ist kein Quantitative Easing.“ Technisch hat er recht. Quantitative Easing (QE) bedeutet: Die Zentralbank kauft langfristige Anleihen (10, 20, 30 Jahre Laufzeit), um die Kapitalmarktzinsen zu drücken. Wenn die Hypothekenzinsen sinken sollen, macht die Fed QE.
Reserve Management Purchases (RMP) hingegen fokussieren sich auf kurzlaufende Papiere. Ziel ist nicht, die Zinsen für Hauskäufer oder Unternehmen zu senken, sondern das Geldsystem am Laufen zu halten. Quasi wie ein Klempner, der verstopfte Rohre freimacht, statt ein neues Haus zu bauen.
Aber für den Markt ist das egal. Geld ist Geld, egal über welchen Kanal es ins System kommt. Wenn die Fed einer Bank oder einem Fonds T-Bills abkauft, hält dieser plötzlich Cash statt Wertpapiere. Und dieses Cash sucht eine neue Heimat. Oft in Aktien oder Unternehmensanleihen. Das treibt die Preise.
Wichtig zu verstehen: Die Fed flutet den Geldmarkt (kurzfristige Zinsen), lässt aber den Kapitalmarkt (langfristige Zinsen) weitgehend in Ruhe. Das bedeutet: Während kurze Zinsen durch die RMP gedrückt werden, können die langfristigen Zinsen – zum Beispiel für 10- oder 30-jährige Staatsanleihen – sogar steigen, wenn Investoren Inflationssorgen haben. Genau diese Konstellation führt zur steileren Zinskurve, die wir später besprechen.
Die Maßnahmen sind unbefristet, sollen aber mindestens bis April laufen. Danach will die Fed das Volumen ans saisonale Wachstum der Verbindlichkeiten anpassen. Übersetzung: Die Liquiditätsflut bleibt uns erhalten.
Ein Wort zum „Fed Put“: Du wirst diesen Begriff in diesem Artikel öfter lesen. Was bedeutet er? In der Optionswelt ist ein „Put“ eine Versicherung gegen fallende Kurse. Der „Fed Put“ bedeutet: Die Notenbank fungiert als Versicherung für die Märkte. Wenn es kritisch wird, greift sie ein. Das beruhigt Investoren und ermutigt sie, mehr Risiko einzugehen. Genau das passiert gerade.
Was 2019 passierte – und warum Geschichte sich reimt (aber nicht wiederholt)
Diese Situation hatten wir schon mal. Im September 2019 kam es zu einem plötzlichen Stillstand im US-Geldmarkt. Repo-Zinsen schossen intraday auf 10%. Die Fed verlor kurzzeitig die Kontrolle über den Leitzins. Grund: Steuerzahlungen und Staatsanleihen-Auktionen hatten dem System zu viel Liquidität entzogen.
Die Reaktion der Fed damals: Ein massives T-Bill-Kaufprogramm (60 Mrd. Dollar monatlich). Sie betonten damals schon: „Das ist kein QE.“
Die Reaktion des Aktienmarktes? Eine der konstantesten Rallyes der Geschichte. In den 70 Handelstagen nach der Ankündigung schloss der S&P 500 nur fünfmal unter seinem 10-Tages-Durchschnitt. Die Liquidität trieb die Bewertungen nach oben, obwohl die Unternehmensgewinne stagnierten.
Was bedeutet das? Aktien wurden teurer, nicht weil die Firmen mehr verdienten, sondern weil Investoren bereit waren, höhere Preise zu zahlen – das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) expandierte. Beispiel: Eine Aktie, die bei 100 Euro stand und 5 Euro Gewinn machte (KGV 20), stieg auf 120 Euro bei gleichbleibendem Gewinn (KGV 24). Reine Bewertungsexpansion durch Liquidität. Tech-Aktien und Wachstumswerte explodierten.
Aber 2026 ist nicht 2019. Drei entscheidende Unterschiede:
Erstens: 2019 handelte die Fed reaktiv nach einem Crash. 2025 handelt sie präventiv. Der Überraschungseffekt fehlt, aber die Volatilitätsunterdrückung wirkt systematischer.
Zweitens: 2019 war Inflation kein Thema. 2026 liegt die Kernrate bei 3%, die Fed kann nicht parallel die Zinsen aggressiv senken. Das begrenzt den Stimulus-Effekt.
Drittens: Der S&P 500 startet 2026 von einem viel höheren Bewertungsniveau. Der Raum für weitere KGV-Expansion ist begrenzt.
Trotzdem: Die Parallele ist stark genug, um bullisch zu sein. Wenn die Fed aktiv Liquidität schafft, steigen die Aktienmärkte. Historisch ist das eine der verlässlichsten Korrelationen.
Die große Rotation: Warum Tech schwächelt und Banken glänzen
Seit der RMP-Ankündigung zeigt sich ein faszinierendes Muster: Der Nasdaq 100 hinkt dem breiteren Markt hinterher. Gleichzeitig legen Finanzwerte und Small Caps zu. Das ist kein Zufall.
Tech-Aktien sind „Long Duration Assets“. Was heißt das? Ganz einfach: Der Großteil der Gewinne von Tech-Unternehmen liegt weit in der Zukunft. Tesla wird 2040 vielleicht riesige Gewinne machen, aber das ist erst in 14 Jahren.
Hier kommt die Zeitwert-Falle ins Spiel: Je länger du auf Geld warten musst, desto empfindlicher reagiert sein heutiger Wert auf Zinsänderungen. Wenn die Zinsen steigen, wird aus „100 Euro in 14 Jahren“ heute vielleicht nur noch „60 Euro wert“. Bei einem Industrieunternehmen, das schon heute hohe Gewinne macht, ist dieser Effekt viel schwächer.
Je höher die langfristigen Zinsen, desto niedriger die heutige Bewertung von Tech. Das Problem: Die Fed kauft nur kurze T-Bills, nicht langlaufende Anleihen. Die Renditen am langen Ende der Zinskurve könnten durch Inflationserwartungen sogar steigen. Das würde Technologieunternehmen überproportional treffen, während Banken von genau dieser steileren Zinskurve profitieren.
Hinzu kommt KI-Skepsis. Der Markt beginnt zu fragen: Wann kommt der Return on Investment bei den Milliarden, die in KI-Infrastruktur gesteckt werden? Enttäuschende Ausblicke von Oracle und Broadcom im Dezember haben die Stimmung getrübt.
Banken hingegen profitieren direkt. Wenn die Zinskurve steiler wird (kurze Zinsen fallen, lange bleiben stabil oder steigen), verbessert sich die Zinsmarge der Banken. Sie refinanzieren sich kurz und leihen lang. Das ist genau das Setup, das RMP schafft. Zusätzlich garantieren die Maßnahmen Liquidität im Interbankenmarkt. Kein Stress, keine Engpässe.
Small Caps haben jahrelang underperformt. Der Russell 2000 hinkt dem S&P 500 seit 2021 hinterher. Doch kleine Unternehmen sind sensitiver für die Inlandskonjunktur und profitieren überproportional von sinkenden Refinanzierungskosten. Wenn die Fed Zinsen senkt und gleichzeitig Liquidität schafft, holen Small Caps auf. Das Aufholpotenzial ist riesig.
Meine Sektor-Einschätzung für 2026:
Übergewichten: US-Banken und Finanzdienstleister, US Small Caps (Russell 2000), Industriewerte (profitieren von Infrastrukturausgaben).
Reduzieren: Mega-Cap Tech (zu hohe Bewertung bei steigenden Realzinsen am langen Ende).
Neutral: Breiter Markt (S&P 500), Europa (EZB bleibt restriktiver, aber DAX könnte von globaler Erholung profitieren).
Der politische Elefant im Raum: Fiskalische Dominanz
Ein Risiko, das viele übersehen: Die Fed gerät massiv unter politischen Druck. Im Januar 2026 eskalierte die Situation dramatisch. Die für Washington zuständige Staatsanwältin Jeanine Pirro – eine langjährige Trump-Unterstützerin – verschickte Vorladungen an Fed-Chef Jerome Powell.
Der offizielle Grund: Informationsanfragen zu Renovierungskosten am historischen Fed-Gebäude (2,5 Milliarden Dollar) seien „ignoriert“ worden.
Powells Lesart: Das ist ein Vorwand. In einer außergewöhnlichen öffentlichen Stellungnahme machte er klar: Das Justizministerium habe nicht nur vorgeladen, sondern auch mit Anklage gedroht. Er brachte das Vorgehen direkt in Verbindung damit, dass die Fed „ihren eigenen Maßstäben folgt und nicht den Wünschen von Präsident Trump“ – konkret: niedrigere Zinsen.
Die politische Sprengkraft: Powells Amtszeit endet im Mai 2026. Trump wollte im Januar seinen Wunschkandidaten benennen, doch der einflussreiche republikanische Senator Thom Tillis hat angekündigt, jeden Trump-Kandidaten zu blockieren, bis die Sache ausgeräumt ist. Im Bankenausschuss (13 Republikaner, 11 Demokraten) würde seine Stimme eine Pattsituation bedeuten. Selbst Finanzminister Scott Bessent soll Trump laut Medienberichten vor den negativen Folgen einer Strafverfolgung Powells gewarnt haben.
Was bedeutet das für Anleger? Diese offene Konfrontation ist beispiellos. Die US-Notenbank ist dem Kongress verpflichtet, nicht dem Präsidenten, und genau diese Unabhängigkeit steht auf dem Spiel. Wenn der Markt den Eindruck gewinnt, dass die Geldpolitik politisiert wird (Zinssenkungen vor Wahlen, Staatsfinanzierung durch die Notenpresse), steigen die Risikoprämien. Das ist kein theoretisches Szenario mehr: es passiert gerade!
Warum das wichtig ist? Weil es das Szenario der „Fiskalischen Dominanz“ nährt. Das bedeutet: Die Zentralbank wird gezwungen, die Zinsen niedrig zu halten, um die Solvenz des Staates zu sichern, auch wenn das zu höherer Inflation führt. Angesichts gigantischer US-Defizite und der Abhängigkeit von kurzfristigen T-Bills ist das kein Hirngespinst.
Sollte der Markt das Vertrauen in die Inflationsbekämpfung der Fed verlieren, könnten die „Bond Vigilantes“ zuschlagen. Damit sind große Investmentfonds und Anleiheinvestoren gemeint, die der Zentralbank nicht mehr trauen und den Staat durch massive Anleihenverkäufe „bestrafen“. Sie würden höhere Renditen am langen Ende fordern.
Was bedeutet das konkret? Stell dir eine Wippe vor: Die Fed drückt die kurzen Zinsen nach unten (das eine Ende der Wippe), aber die langen Zinsen (10- oder 30-jährige Staatsanleihen) schießen nach oben, sodass ihre Renditen steigen. Die Zinskurve wird steiler. Profis nennen das „Bear Steepening“, aber denk einfach an die Wippe: Ein Ende unten, das andere oben. Und das ist Gift für Aktienbewertungen, weil langfristige Investments plötzlich unattraktiv werden.
Dieses Risiko ist real, aber noch nicht akut. Solange die Inflation nicht wieder beschleunigt, bleibt die Fed glaubwürdig. Doch du solltest es auf dem Radar haben.
Drei Szenarien für 2026 – und wie du dich positionierst
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