Altersvorsorgedepot 2027: Die Zulage ist der Anfang der Rechnung, nicht das Ergebnis

Am 21. Oktober habe ich ein Live-Webinar zum Altersvorsorgedepot gehalten, das ab dem 1. Januar 2027 die Riester-Rente für neue Verträge ablöst. Abschließen kann man es heute noch nicht. Die Werbung ist trotzdem längst da: Banken, Sparkassen, Versicherer und Broker trommeln schon jetzt, und fast alles läuft auf ein Beratungsgespräch hinaus. Hier sind die wichtigsten Punkte aus dem Webinar. Die komplette Aufzeichnung findest du am Ende dieses Beitrags.

Warum gerade alle so laut werben

Die Antwort ist eine Zahl: Rund 44 Millionen Menschen in Deutschland können das Altersvorsorgedepot mit Förderung nutzen. Etwa vier Millionen Selbstständige und Freiberufler kommen neu dazu, die bei Riester außen vor waren, dazu laufen rund 15 Millionen Riester-Verträge. Schätzungen gehen davon aus, dass schon im ersten Jahr etwa sieben Milliarden Euro in die neuen Verträge fließen könnten, in fünf Jahren rund 150 Milliarden. Langfristig reden wir über Billionen. Und jetzt rechne mit: Ein Prozent Kosten auf eine Billion Euro sind zehn Milliarden Euro, jedes Jahr. Dann verstehst du, warum dein Telefon in den nächsten Monaten öfter klingeln wird.

Ein Depot, das dir erst im Ruhestand gehört

Den wichtigsten Satz des Webinars solltest du dir merken: Ein normales Depot gehört dir jeden Tag. Ein Altersvorsorgevertrag gehört dir erst im Ruhestand. Das Altersvorsorgedepot ist kein Depot im üblichen Sinn, sondern ein zertifizierter Vertrag. Die Auszahlung beginnt in der Regel nicht vor 65. Wer vorher ans Geld will, für ein Auto, eine Auszeit oder eine finanzielle Durststrecke, muss Zulagen und Steuervorteile zurückzahlen.

Dafür legt der Staat einiges drauf. Auf die ersten 360 Euro Eigenbeitrag im Jahr gibt es 50 Cent je Euro, auf jeden weiteren Euro bis 1.800 Euro noch 25 Cent. Zusammen sind das höchstens 540 Euro Grundzulage. Pro Kind mit Kindergeldanspruch kommen bis zu 300 Euro dazu, und wer am 1. Januar des Beitragsjahres jünger als 25 ist, bekommt einmalig 200 Euro Bonus. Bei unseren Kursbeispielen heißt das: Lena, Single, zahlt 1.800 Euro ein und bekommt 540 Euro, eine Förderquote von 30 Prozent. Familie Wagner mit zwei Kindern kommt auf 63 Prozent. Und Mira, alleinerziehend, zahlt 300 Euro und erhält 750 Euro vom Staat.

Zur Wahl stehen dabei mehrere Varianten: das freie Altersvorsorgedepot mit den Fonds, die dein Anbieter ins Regal stellt, das Standarddepot mit zwei festgelegten Fonds und automatischer Umschichtung vor der Rente, ein Garantieprodukt mit 80 oder 100 Prozent Beitragsgarantie, das allerdings Rendite kostet. Und ein öffentlich organisiertes Standarddepot steht zwar im Gesetz, aber wann und ob es kommt, weiß heute niemand.

Sechs Werbesätze und was sie weglassen

Im Hauptteil des Webinars habe ich sechs Sätze durchgespielt, wie du sie 2027 in Anzeigen und Beratungsgesprächen hören wirst. Jeder davon ist wahr. Und jedem fehlt ein entscheidendes Stück.

„30 Prozent Rendite sofort“ zum Beispiel. Die 30 Prozent sind eine Förderquote, keine Rendite. Die Zulage kommt einmal im Jahr auf den neuen Beitrag, nicht auf dein gesamtes Guthaben. Über 35 Jahre gerechnet entspricht sie bei Lena etwa 1,2 Prozentpunkten Rendite pro Jahr. Das ist nicht nichts. Aber in der Beispielrechnung wachsen 163.000 Euro ohne Zulage auf 211.000 Euro mit Zulage, und sobald der Vertrag ein Prozent im Jahr kostet, bleiben 172.000 Euro übrig. Die Kosten fressen den größten Teil dessen, was die Zulage gebracht hat.

Womit wir beim Kostendeckel wären. Ja, es gibt ihn: höchstens 1,0 Prozent Effektivkosten. Aber nur für das Standarddepot, für alle anderen Varianten regelt der Markt den Preis. Wie viel Geld daran hängt, zeigt eine einfache Rechnung mit 1.800 Euro im Jahr über 35 Jahre und fünf Prozent Rendite vor Kosten: Bei 0,2 Prozent Kosten, typisch für einen günstigen ETF im freien Depot, kommen rund 156.000 Euro heraus. Beim Deckel von einem Prozent sind es 132.600 Euro, bei zwei Prozent noch 108.800 Euro. Rund 47.000 Euro Unterschied, bei gleichem Beitrag und gleicher Börse. Deshalb ist die erste Frage in jedem Gespräch: Wie hoch sind die Effektivkosten? Wer sie dir nicht nennen will, hat dir damit auch eine Antwort gegeben.

Auch beim Thema Steuer wird gern aufgerundet. Beiträge und Zulage lassen sich als Sonderausgaben absetzen, aber das Finanzamt rechnet die schon erhaltene Zulage gegen. Bei Lena bleiben von 702 Euro Steuervorteil nach Abzug der Zulage noch 162 Euro Erstattung übrig. Es gibt also Zulage oder Steuervorteil, je nachdem, was höher ist, und nicht beides obendrauf. Schwerer wiegt: Die Steuer ist nur verschoben. Im Alter wird die Auszahlung voll versteuert, soweit sie auf geförderten Beiträgen beruht. Ob sich das lohnt, hängt an der Frage, ob dein Steuersatz im Ruhestand niedriger ist als heute. Für Berufseinsteiger ist das eine Wette über 35 Jahre.

„Staatlich zertifiziert“ klingt nach geprüfter Qualität. Das Zertifikat bestätigt aber nur, dass der Vertrag die Fördervorgaben erfüllt. Ob er günstig ist und die Fonds darin etwas taugen, prüft niemand für dich. Jeder Riester-Vertrag war auch zertifiziert, die teuren genauso wie die günstigen.

Wer schon einen Riester-Vertrag hat, wird wahrscheinlich hören: „Wechseln Sie jetzt!“ Dabei gibt es keinen Stichtag, bestehende Verträge laufen weiter. Bei einer Übertragung wandern Beitragsgarantie und garantierter Rentenfaktor nicht mit, und gerade bei alten Versicherungsverträgen kann das der wertvollste Teil sein. Über einen Weg wird selten gesprochen, weil der Vermittler daran nichts verdient: den Vertrag behalten und nur die Förderung umstellen. Kündigen ist dagegen fast immer die teuerste Lösung.

Bleibt noch „flexibel wie ein Depot“. Flexibel bist du im Vertrag, nicht mit dem Geld. Der neue Auszahlplan darf mit 85 enden. Laut Deutscher Rentenversicherung werden aber gut 40 Prozent der heute 65-jährigen Männer und rund 60 Prozent der Frauen älter. Vor der Unterschrift gehört also auch die Frage auf den Tisch: Wie lange reicht das Geld?

Weder Geschenk noch Falle

Heißt das alles, dass das Altersvorsorgedepot ein schlechtes Geschäft ist? Nein. Für Familien mit Kindern ist die Förderung so hoch, dass ein freies Depot den Vorsprung kaum aufholt. Bei Lena als Single dagegen ist die Sache knapp, schon ein Prozentpunkt mehr Steuer im Alter kann das Ergebnis kippen. Es kommt auf deine Zahlen an. Die meisten Berater wollen dir nichts Böses, aber viele werden für den Abschluss bezahlt. Wer vorbereitet ins Gespräch geht, stellt die Fragen selbst, statt sich durch das Gespräch führen zu lassen.

Wenn du 2027 einen Prospekt in der Hand hältst, denk an vier Posten: Zulage, Kosten, Steuer und die Alternative. Und an zwei Fragen: Wann komme ich an mein Geld? Und wie lange reicht es?

Die Aufzeichnung zum Nachschauen

Das ganze Webinar mit allen Folien und Rechnungen sowie den Fragen aus dem Chat kannst du dir hier in Ruhe ansehen:

Wenn du es für dich durchrechnen willst

Was ich im Webinar nicht leisten kann, ist deine eigene Rechnung. Genau dafür gibt es meinen Onlinekurs „Die neue Zusatzrente: dein Fahrplan zum Altersvorsorgedepot 2027″. In 15 Videolektionen füllst du Schritt für Schritt einen Entscheidungsbogen mit deinen Zahlen aus und arbeitest mit Zulagenrechner, Vergleichsrechner (Altersvorsorgedepot gegen freies ETF-Depot), einer Wechsel-Checkliste und einem Musterbrief für Riester-Sparer. Am Ende steht deine Handlungsliste fürs Beratungsgespräch. Ein Update-Modul mit dem BMF-Schreiben zur Besteuerung und den ersten zertifizierten Angeboten folgt spätestens bis zum 31. März 2027 und ist im Preis enthalten.

Der Kurs kostet 97 Euro, mit dem Code RENTE bis zum 31. Oktober 2026 nur 79 Euro.

Hier geht’s zum Kurs → www.meine-geldseite.de/vorsorge

Wichtig: Webinar und Kurs sind Weiterbildung, keine Anlage- oder Steuerberatung. Alle Zahlen sind Szenariorechnungen nach bestem Wissen. Welcher Anbieter der richtige ist, verrate ich dir nicht. Aber danach weißt du, welche Fragen du ihm stellen musst.

Noch mehr Infos zur Altersvorsorge hier: www.riester-ins-altersvorsorgedepot.de

📄 Kostenlos: Das Altersvorsorgedepot auf einen Blick – zwei Seiten zum Ausdrucken mit den wichtigsten Regeln kompakt: https://meine-geldseite.de/altersvorsorge-auf-einen-blick/