Wenn zwei Schockwellen aufeinandertreffen
Ende Januar kam es zu einem Schock: Anthropic, das Unternehmen hinter dem KI-Modell Claude, kündigte ein spezialisiertes Rechts-Plugin an. Was zunächst wie eine technische Produktneuheit klingt, löste in den Tagen darauf einen Kurssturz aus, der die Software-Branche erschütterte. Am 3. Februar, dem ersten vollen Handelstag nach der Ankündigung, brachen die Kurse massiv ein: Thomson Reuters verlor bis zu 19%, Relx (Eigentümer von LexisNexis) 15%, LegalZoom ebenfalls 18%. Analysten sprechen bereits vom „Claude Crash“ und der „SaaSpocalypse“ – eine Wortschöpfung aus SaaS (Software-as-a-Service, also Software als Abo) und Apokalypse.
Die zentrale Frage, die sich jetzt stellt: Ist das nur ein isoliertes Beben in der Legal-Tech-Ecke? Oder hängt dieser Absturz mit dem nervösen makroökonomischen Umfeld zusammen, das durch die Warsh-Nominierung und andere Faktoren verstärkt wurde?
Die kurze Antwort: Beides greift ineinander und verstärkt sich gegenseitig. Und genau das macht die Situation so gefährlich.
Um zu verstehen, was gerade passiert, müssen wir zwei völlig unterschiedliche Mechanismen auseinanderhalten – auch wenn sie am Ende zusammenwirken.
Kraft Nummer 1: Der strukturelle Schock durch KI
Anthropics Rechts-Plugin ist nicht einfach nur ein neues Produkt. Es signalisiert einen fundamentalen Wandel: KI-Modell-Anbieter greifen direkt Geschäftsmodelle an, die jahrzehntelang funktionierten. Thomson Reuters verdient sein Geld damit, Rechtsabteilungen Zugang zu juristischen Datenbanken und Tools für Dokumentenprüfung zu verkaufen – für viel Geld. Die Argumentation war immer: „Unsere Daten sind exklusiv, über Jahrzehnte kuratiert, durch keine Software zu ersetzen.“
Kraft Nummer 2: Das nervöse Makro-Umfeld
Parallel dazu läuft eine ganz andere Dynamik. Die makroökonomischen Rahmenbedingungen – Zinsen, Liquidität, Inflation – wirken wie das Wetter, das alle Boote auf dem Meer beeinflusst. Und dieses Wetter ist gerade unbeständig.
Warum beide Kräfte zusammen explosive Wirkung entfalten und was das für deine Investments bedeutet, schildere ich ausführlich in meinem neuen Newsletter.



