Die meisten fragen ihre KI falsch.
Drei fertige Prompts für Chartarbeit, Indikatoren und den schnellen Blick auf ein Unternehmen – zum Kopieren, Einfügen und sofort Benutzen.
„Analysiere mir Apple.“ Drei Absätze freundliches Nichts. Wer eine KI so fragt, bekommt eine Antwort, die für jedes Unternehmen der Welt passen würde – und genau deshalb für keines.
Der Unterschied liegt nicht am Modell. Er liegt daran, ob du fragst oder anweist. Ein brauchbarer Prompt gibt der KI eine Rolle, eine Reihenfolge und vor allem Regeln darüber, was sie nicht tun darf. Der letzte Teil ist der wichtigste, denn ein Sprachmodell erfindet lieber eine Zahl, als zuzugeben, dass es sie nicht kennt.
Unten stehen drei solcher Prompts, komplett und kostenlos. Du musst dich dafür nirgends eintragen – kopier sie dir einfach heraus.
1. Einen Chart lesen lassen
Gedacht als zweite Meinung, bevor du dich in deine eigene Sichtweise verrennst. Der Prompt zwingt die KI, erst zu beschreiben und dann zu bewerten – und am Ende gegen sich selbst zu argumentieren.
Du bist ein erfahrener technischer Analyst. Ich lade dir einen Chart hoch. Beschreibe zuerst nur, was du siehst, ohne jede Bewertung: welcher Wert, welcher Zeitrahmen, welcher Zeitraum, und wo der Kurs innerhalb des sichtbaren Bereichs steht. Analysiere dann in dieser Reihenfolge: 1. Die Marktstruktur. Höhere Hochs und höhere Tiefs, tiefere Hochs und tiefere Tiefs, oder seitwärts? 2. Die drei markantesten waagerechten Zonen, an denen der Kurs mehrfach gedreht hat. 3. Den Punkt, an dem deine Einschätzung falsch wäre - also wo die Struktur bricht. Regeln: Nenne keine Kurse mit zwei Nachkommastellen, wenn du sie nicht sicher ablesen kannst; schreib stattdessen "etwa". Erfinde keine Indikatorwerte. Wenn du etwas nicht erkennen kannst, sag es. Zum Schluss: Argumentiere in fünf Sätzen gegen deine eigene Analyse.
Worauf du achten musst: Exakte Kurse aus einem Screenshot sind geraten. Nimm die Zonen, nicht die Kommastellen.
2. Einen Indikator auf den Zahn fühlen
Nutzt du, bevor du einen neuen Indikator in deine Handelsstrategie lässt. Die entscheidende Frage steht am Schluss.
Du bist ein nüchterner Markttechniker, der mir nichts verkaufen will. Erklär mir den Indikator [NAME]. 1. Was misst er tatsächlich? Welche Rechengröße steckt dahinter? 2. In welcher Marktphase funktioniert er, in welcher versagt er? 3. Welche typischen Fehlsignale erzeugt er, und woran erkenne ich sie im Chart? 4. Mit welchem anderen Werkzeug wird er üblicherweise kombiniert, und warum ausgerechnet damit? 5. Ehrlich: Liefert er mir etwas, das ich am nackten Kursverlauf nicht auch sehen würde? Antworte in Fließtext, ohne Marketingsprache. Wenn die Studienlage dünn ist, sag das.
Worauf du achten musst: Bei exotischen Indikatoren wird die KI schnell erfinderisch. Lass dir die Berechnungsformel nennen und prüf sie gegen die Beschreibung deiner Chartplattform.
3. Der Fünf-Minuten-Schnellcheck für eine Aktie
Nicht als Analyse gedacht, sondern als Vorsortierung: Lohnt sich der genauere Blick überhaupt? Der Prompt verlangt zu jeder Zahl eine Quelle und einen Stichtag – ohne das ist eine Bewertungskennzahl wertlos, weil das Modell den aktuellen Kurs gar nicht kennt.
Du bist ein nüchterner Aktienanalyst, der für Privatanleger schreibt. Erstell mir einen Schnellcheck zu [UNTERNEHMEN]. Recherchier die Zahlen im Netz und nenn zu jeder Angabe die Quelle und den Stichtag. Findest du eine Zahl nicht, schreib "nicht gefunden". Schätz nichts. 1. Womit verdient das Unternehmen sein Geld? Drei Sätze, so, dass es ein Zwölfjähriger versteht. 2. Umsatz und Gewinn der letzten drei Jahre, dazu die operative Marge. 3. Die Schulden im Verhältnis zum operativen Gewinn. 4. Der freie Cashflow der letzten drei Jahre. 5. Die drei größten Risiken - laut Unternehmen selbst, nicht laut dir. Zum Schluss ein Satz: Lohnt sich der genauere Blick, oder kann ich ihn mir sparen?
Worauf du achten musst: Jede Zahl ohne Stichtag ist eine Behauptung. Zwei Stichproben gegen den Geschäftsbericht, dann weißt du, woran du bist.
Die anderen sieben Prompts
Die drei oben sind ein Drittel des Werkzeugkastens. Im vollständigen PDF stehen zehn Prompts: einen eigenen Indikator bauen, ein Earnings-Call-Transkript zwischen den Zeilen lesen, eine These stresstesten, die Konjunkturlage bestimmen, eine Meldung weiterdrehen, einen Tradingplan entwerfen und ein Handelsjournal aufsetzen. Dazu ein Kapitel darüber, wo die KI zuverlässig danebenliegt – das ist das Kapitel, das dich vor teuren Fehlern bewahrt.
Kostenlos. Kein Abo, keine Weitergabe deiner Adresse, jederzeit mit einem Klick abbestellbar.
Thomas Blees – Journalist, Dozent, Privatanleger. Seit 2008 an den Märkten unterwegs, seit einigen Jahren damit beschäftigt, Privatanlegern zu erklären, was dort eigentlich passiert. Die Prompts hier sind das Ergebnis von ein paar hundert Versuchen, einer KI brauchbare Antworten zu entlocken.

