Gold als Schutzschild: Warum der Sektor 2026 spannender denn je ist

Nicht zuletzt angefeuert durch die Nachwirkungen globaler Krisen und eine anhaltend lockere Fiskalpolitik steigt weltweit die Staatsverschuldung auf neue Rekordhöhen. Dank massiv ausgeweiteter Zentralbankbilanzen und einer strukturell höheren Inflation suchen immer mehr Anleger Schutz in Sachwerten. Gold hat sich in diesem Umfeld als „sicherer Hafen“ eindrucksvoll zurückgemeldet und im vergangenen Jahr 2025 zahlreiche neue Allzeithochs markiert.

Zum Thema Goldkauf hatte ich bereits einige Beiträge verfasst. Doch auch ohne physische Barren oder Münzen im Tresor zu lagern, lässt sich von der Goldnachfrage profitieren.

Klassische Goldminenbetreiber: Der Hebel auf den Preis

Eine bewährte Methode ist das Investment in Aktien von Goldminenbetreibern. Diese Unternehmen profitieren überproportional von einem steigenden Goldpreis (der sogenannte „Operating Leverage“). Die weltweite Produktion stabilisierte sich zuletzt bei rund 3.600 bis 3.700 Tonnen pro Jahr, wobei China, Russland und Australien weiterhin die Liste der Top-Produzenten anführen.

Wer sich intensiver mit den Förderdaten beschäftigen möchte, dem sei die Webseite des World Gold Council empfohlen.

Wichtig für die Aktienauswahl: Um das Potenzial abschätzen zu können, musst du die Produktionskosten (All-In Sustaining Costs, AISC) kennen. Je niedriger diese sind, desto höher ist die Gewinnmarge bei steigenden Kursen.

Royalty & Streaming: Die „clevere“ Alternative

Neben den klassischen Minenbetreibern gibt es eine zweite, oft lukrativere Kategorie: Royalty- und Streaming-Firmen (z. B. Franco-Nevada, Wheaton Precious Metals oder Royal Gold).

Was ist der Unterschied?

  • Minenbetreiber: Tragen das volle Risiko. Sie müssen graben, Maschinen warten, Arbeiter bezahlen und sich mit steigenden Energiekosten oder Streiks herumschlagen.

  • Royalty-Firmen: Sie betreiben selbst keine Minen. Stattdessen geben sie Minenbetreibern Kapital für die Entwicklung eines Projekts. Im Gegenzug erhalten sie das Recht, einen Teil der Produktion zu einem festen, meist sehr niedrigen Preis zu kaufen (Streaming) oder einen Prozentsatz des Umsatzes direkt einzustreichen (Royalty).

Der Vorteil: Royalty-Firmen profitieren von steigenden Goldpreisen und Entdeckungen neuer Vorkommen auf dem Gelände, tragen aber kaum die operativen Risiken oder Kostensteigerungen der Inflation. Sie fungieren quasi als „Finanzdienstleister“ der Goldbranche mit extrem hohen Gewinnmargen.

Wenn du in Goldminen-Aktien investieren möchtest, ist es wichtig, auf UCITS-konforme ETFs zu setzen. Diese erfüllen die europäischen Regulierungsstandards und sind bei fast allen Brokern (wie Scalable Capital, Trade Republic oder ING) handelbar.

Hier sind die passenden UCITS-Optionen für die verschiedenen Strategien:

Klassische Goldminen-ETFs (Die „Schwergewichte“)

Diese ETFs investieren in die größten und etabliertesten Goldproduzenten der Welt (z. B. Newmont, Agnico Eagle, Barrick Gold). Sie schwanken weniger stark als die kleinen Explorer, haben aber dennoch einen hohen Hebel auf den Goldpreis.

  • iShares Gold Producers UCITS ETF (ISIN: IE00B6R52036)

    • Fokus: Die größten Produzenten weltweit.

    • Vorteil: Sehr hohes Fondsvolumen und hohe Liquidität.

  • VanEck Gold Miners UCITS ETF (ISIN: IE00BQQP9F84)

    • Fokus: Bildet den bekannten „GDX“-Index ab.

    • Besonderheit: Das europäische Pendant zum größten Goldminen-ETF der USA.

Junior Goldminen-ETFs (Die „Wachstumsstarken“)

Hier investierst du in kleinere Unternehmen (Junioren), die oft noch in der Explorationsphase sind oder kleinere Minen betreiben. Das Risiko ist deutlich höher, aber auch die Gewinnchancen bei einer Gold-Rally.

  • VanEck Junior Gold Miners UCITS ETF (ISIN: IE00BQQP9G91)

    • Fokus: Kleine und mittelgroße Minengesellschaften.

    • Hinweis: Sehr volatil – perfekt für spekulative Beimischungen, aber nichts für schwache Nerven.

Effizienz- & Nischen-ETFs

Es gibt Spezialisten, die versuchen, durch eine gezielte Auswahl der „effizientesten“ Minen eine Überrendite zu erzielen.

  • UBS Solactive Global Pure Gold Miners UCITS ETF (ISIN: IE00B7KMNP07)

    • Fokus: Nur Unternehmen, die fast ihren gesamten Umsatz mit Gold machen (keine Mischkonzerne).

    • Vorteil: Oft eine der günstigsten Gesamtkostenquoten (TER) im Sektor.

  • L&G Gold Mining UCITS ETF (ISIN: IE00B3CNHG25)

    • Besonderheit: Hatte in den letzten Jahren oft eine sehr starke Performance durch eine leicht andere Gewichtung der Einzelwerte.

Was ist mit Royalty-ETFs?

Es gibt aktuell keinen reinen UCITS-ETF, der ausschließlich auf Gold-Royalty-Firmen setzt. Wenn du gezielt von diesem risikoärmeren Geschäftsmodell profitieren willst, führen zwei Wege zum Ziel:

  1. Einzelaktien: Kaufe die Marktführer direkt (z. B. Franco-Nevada, Wheaton Precious Metals oder Royal Gold).

  2. Große ETFs nutzen: In den oben genannten ETFs (wie dem iShares Gold Producers) sind die großen Royalty-Firmen meist enthalten, allerdings nur als Teil des Gesamtpakets.

Mein Tipp: Wenn du das Risiko streuen, aber die Stabilität der Royalty-Firmen dabeihaben willst, fährst du mit dem iShares Gold Producers oder dem VanEck Gold Miners am besten, da diese Firmen dort eine hohe Gewichtung haben.

Strategie-Tipp: In der Rally kühlen Kopf bewahren

Nach der starken Performance der letzten Monate ist die Euphorie groß. Doch gerade in einer laufenden Rally gilt: Jage den Kursen nicht hinterher.

Goldaktien sind hochvolatil. Selbst in einem Bullenmarkt gibt es immer wieder heftige Korrekturen. Erfahrene Anleger nutzen diese Rücksetzer (Pullbacks) an markante Unterstützungslinien, um Positionen aufzubauen oder zu vergrößern. Wer kauft, wenn die Schlagzeilen am lautesten schreien, läuft Gefahr, am kurzfristigen Top einzusteigen. Geduld zahlt sich im Rohstoffsektor fast immer aus.

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