Covered Call: Die einfachste Optionsstrategie für regelmäßiges Zusatzeinkommen

Stell dir vor, du vermietest dein Auto an Wochenenden, an denen du es sowieso nicht brauchst – und kassierst dafür Miete, egal ob der Mieter es am Ende wirklich nimmt oder nicht. Genau so funktioniert der Covered Call. Er ist die wohl einfachste Optionsstrategie überhaupt, und trotzdem nutzen sie die meisten Privatanleger nie.

Das liegt meist nicht am Verständnis, sondern an der Scheu vor allem, was mit „Optionen“ beginnt. Dabei ist der Covered Call keine Zockerei – sondern eine konservative Technik, mit der institutionelle Investoren seit Jahrzehnten ihre Rendite aufbessern.

In diesem Artikel erfährst du, wie ein Covered Call funktioniert, wann er sinnvoll ist, was du konkret beachten musst – und wo die Grenzen dieser Strategie liegen.

Was ist ein Covered Call überhaupt?

Ein Covered Call entsteht, wenn du eine Call-Option auf Aktien verkaufst, die du bereits im Depot hältst. Das Wort „covered“ – also gedeckt – bedeutet genau das: Du bist nicht nackt unterwegs, sondern durch deinen Aktienbestand abgesichert.

Wenn du eine Call-Option verkaufst, gibst du dem Käufer das Recht, deine Aktien zu einem festgelegten Preis (dem Strike-Preis) bis zu einem bestimmten Datum (dem Verfallsdatum) zu kaufen. Dafür erhältst du sofort eine Prämie auf dein Konto – unabhängig davon, was danach passiert.

Drei Szenarien sind möglich:

  • Aktie bleibt unter dem Strike: Die Option verfällt wertlos. Du behältst die Prämie und deine Aktien – und kannst das Spiel wiederholen.
  • Aktie steigt über den Strike: Deine Aktien werden zum Strike-Preis abgerufen. Du machst trotzdem Gewinn – Kursgewinn bis zum Strike plus die kassierte Prämie.
  • Aktie fällt: Die Option verfällt. Die Prämie federt deinen Kursverlust teilweise ab.

In allen drei Szenarien war die Prämie dein Freund.

Ein konkretes Beispiel: Covered Call auf Apple

Du hältst 100 Apple-Aktien, aktuell bei 200 Dollar. Du verkaufst einen Call mit Strike 210 Dollar, Laufzeit vier Wochen, und erhältst dafür eine Prämie von 3 Dollar pro Aktie – also 300 Dollar sofort auf deinem Konto.

Szenario 1 – Apple bleibt bei 200 Dollar: Die Option verfällt, du behältst 300 Dollar Prämie und deine 100 Aktien. Monatliche Rendite: 1,5% auf den Aktienwert.

Szenario 2 – Apple steigt auf 215 Dollar: Deine Aktien werden zu 210 Dollar verkauft. Du realisierst 10 Dollar Kursgewinn pro Aktie plus 3 Dollar Prämie = 13 Dollar pro Aktie oder 1.300 Dollar Gesamtgewinn. Den weiteren Anstieg von 210 auf 215 Dollar lässt du liegen – das ist der bekannte „Opportunitätskostenverzicht“.

Szenario 3 – Apple fällt auf 190 Dollar: Dein Depot verliert 1.000 Dollar an Wert, aber die 300 Dollar Prämie reduzieren den Schmerz auf effektiv 700 Dollar Verlust. Dein Einstandspreis hat sich durch den Covered Call auf 197 Dollar reduziert.

Dieses Prinzip – Prämie kassieren, Basis reduzieren – ist der Kern der Strategie.

Wann eignet sich der Covered Call am besten?

Der Covered Call funktioniert nicht in jeder Marktlage gleich gut. Er entfaltet seinen Vorteil unter ganz bestimmten Bedingungen.

Ideal ist er, wenn:

  • Du Aktien hältst, die du auch bei einem Abruf nicht bereuen würdest zu verkaufen
  • Du mit einem seitwärts laufenden oder leicht steigenden Markt rechnest
  • Die implizite Volatilität (IV) hoch ist – denn höhere Volatilität bedeutet höhere Prämien
  • Du diszipliniert und systematisch vorgehst, zum Beispiel monatlich

Weniger geeignet ist er, wenn:

  • Du starke Kursgewinne erwartest und die Aktie auf keinen Fall verkaufen möchtest
  • Die Volatilität so gering ist, dass die Prämien kaum der Mühe wert sind
  • Du emotional reagierst, wenn eine Aktie über den Strike klettert und „abgerufen“ wird

Ein guter Richtwert für den Strike: 5 bis 10% über dem aktuellen Kurs. So partizipierst du noch an einem moderaten Anstieg, kassierst aber dennoch eine anständige Prämie.

Die häufigsten Fehler beim Covered Call

Selbst eine einfache Strategie lässt sich falsch anwenden. Diese drei Fehler begegnen Einsteigern am häufigsten.

Fehler 1 – Den falschen Strike wählen. Wer den Strike zu nah am aktuellen Kurs wählt, kassiert zwar eine höhere Prämie, riskiert aber den Abruf bei der kleinsten Bewegung. Wer zu weit geht, kassiert kaum Prämie. Die Balance liegt bei rund 0,20 bis 0,30 Delta – das entspricht ungefähr einer Wahrscheinlichkeit von 70 bis 80%, dass die Option wertlos verfällt.

Fehler 2 – Die falsche Laufzeit wählen. Der Zeitwertverlust einer Option beschleunigt sich in den letzten 30 Tagen vor dem Verfall. Deshalb arbeiten professionelle Covered-Call-Schreiber bevorzugt mit Laufzeiten von 21 bis 45 Tagen – dem sogenannten „süßen Fleck“ beim Theta-Decay.

Fehler 3 – Emotionale Entscheidungen beim Abruf. Wenn eine Aktie über den Strike steigt und abgerufen wird, ärgern sich viele Anleger über die „entgangenen Gewinne“. Das ist die falsche Perspektive. Du hast von Anfang an einen Plan gehabt und den umgesetzt. Den nächsten Covered Call startest du auf der neuen Basis.

Covered Call vs. andere Optionsstrategien: Ein kurzer Vergleich

Strategie Risiko Kapitalbedarf Komplexität
Covered Call Begrenzt (gedeckt durch Aktien) Mittel (Aktien erforderlich) ★☆☆
Naked Call Theoretisch unbegrenzt Niedrig ★★★
Cash-Secured Put Begrenzt Mittel-hoch ★☆☆
Iron Condor Begrenzt Mittel ★★☆
Straddle Begrenzt Mittel ★★☆

Der Covered Call ist der ideale Einstiegspunkt in die Welt der Optionen: Du brauchst keine komplexen Kombinationen zu verstehen, kein Margin-Konto und kein jahrelanges Studium. Eine Aktie, eine Option, eine Prämie.

Fazit: Covered Calls – Dein erster Schritt zur aktiven Rendite

Drei Dinge bleiben aus diesem Artikel hängen: Erstens ist der Covered Call keine Spekulation, sondern eine konservative Einkommensstrategie für Aktieninhaber. Zweitens bekommst du die Prämie immer – egal was passiert. Und drittens ist die einzige echte Einschränkung der Strategie dein Opportunitätsverzicht bei sehr starken Kursanstiegen.

Wer einmal verstanden hat, wie der Covered Call funktioniert, fragt sich, warum er nicht früher damit begonnen hat. Das Prinzip „Aktien arbeiten lassen“ bekommt damit eine völlig neue Bedeutung.

Du willst tiefer einsteigen und Covered Calls systematisch in dein Depot einbauen? In meinem Optionskurs zeige ich dir Schritt für Schritt, wie du die Strategie auf echte Positionen anwendest – mit konkreten Setups, Strike-Auswahl und Risikomanagement.