Der neue Sheriff bei der Fed: Unsicherheit über Warshs Kurs bewegt die Märkte
Am Freitag, 30. Januar 2026, nominierte Donald Trump Kevin Warsh als nächsten Fed-Chef. Was jetzt folgt: Der Senat muss Warsh in einer Anhörung befragen und dann über seine Ernennung abstimmen. Dieser Prozess dauert normalerweise mehrere Wochen bis Monate. Frühestens im späten Frühjahr oder Sommer 2026 könnte Warsh dann Jerome Powell ablösen, der bis dahin im Amt bleibt.
Die unmittelbare Marktreaktion am Freitag war heftig: Gold fiel um mehrere Prozentpunkte, der Dollar legte zu, Tech-Aktien schwankten. Diese Bewegungen sind weniger eine klare Bewertung von Warshs Politik als vielmehr Ausdruck purer Unsicherheit. Niemand – außer Warsh selbst und möglicherweise Trump und Finanzminister Bessent – weiß wirklich, welchen Kurs die Fed unter ihm fahren wird. Alles, was jetzt diskutiert wird, ist Spekulation basierend auf früheren Aussagen und Schriften Warshs.
Warum sollte dich das als Anleger interessieren? Weil der Fed-Chef (die amerikanische Zentralbank, vergleichbar mit der EZB) über Zinsen und Geldmenge mitentscheidet – und damit praktisch über jedes Depot.
Wer ist Warsh und was macht ihn anders?
Kevin Warsh kommt nicht aus dem akademischen Elfenbeinturm, sondern von der Wall Street (Morgan Stanley) und war als Fed-Gouverneur in den 2000ern während der Finanzkrise dabei.
Ist er ein Freund der Wall Street oder ein Hardliner? Das ist kompliziert. Einerseits kennt er die Wall Street von innen und hat dort gearbeitet. Andererseits hat er während der Finanzkrise 2008 hautnah erlebt, wie Großbanken mit billigem Fed-Geld gerettet wurden, während der Mittelstand leer ausging. Seine Reden und Schriften zeigen: Er kritisiert das System, aus dem er kommt.
„Die Fed entzaubern“ bedeutet für ihn: Weg von der Wall-Street-Fokussierung, hin zur Realwirtschaft. Er will, dass Kredite für kleine Unternehmen billiger werden, nicht für Großbanken. Das macht ihn zu einem Kritiker der aktuellen Privilegien der Megabanken – auch wenn manche Beobachter skeptisch sind, ob er das wirklich durchzieht.
Wie unabhängig ist ein Fed-Chef von Trump? Das ist eine wichtige Frage. Die Fed ist per Gesetz unabhängig von der Regierung. Trump kann Warsh nominieren, aber sobald er im Amt ist, kann Trump ihn nicht einfach feuern. Ein Fed-Chef hat eine vierjährige Amtszeit und ist während dieser Zeit nur durch den Kongress absetzbar (was praktisch nie passiert).
Warsh kann also theoretisch „Nein“ zu Trump sagen. Die Frage ist: Will er das? In der Vergangenheit gab es Fed-Chefs, die gegen den Willen des Präsidenten handelten. Andere folgten der Linie des Weißen Hauses. Warshs Unabhängigkeit wird sich erst in der Praxis zeigen.
In meinem neuen Newsletter gebe ich dir einen Überblick, worüber Makroökonomen jetzt nachdenken, welche Szenarien greifen könnten und was du als Investor beobachten solltest.
Das erwartet dich:
- Die zentrale KI-Produktivitäts-These, die Warshs Denken prägt
- Drei mögliche geldpolitische Schwerpunkte unter seiner Führung
- Welche Assets besonders sensibel auf seinen Kurs reagieren könnten
- Was du in den nächsten Monaten beobachten solltest



