Mach’s bloß nicht wie Simon!

Na, investierst Du auch „wie Simon“?Du kennst Simon nicht? Das ist der sympathische Kerl aus der eToro-Werbung. EToro ist ein Online Forex- und CFD-Broker, der inzwischen über 20 Millionen Kunden hat.

Viele solcher Broker investieren massiv in Marketingmaßnahmen. Und weißt Du auch, warum? Das hat mit der 90-90-90-Regel zu tun: 90% aller privaten Trader verlieren innerhalb von 90 Tagen 90 Prozent ihres Tradingkapitals, das sie auf ihr Brokerkonto eingezahlt haben. Nur wissen das die Anfänger natürlich nicht. Ihnen wird in der Regel vorgegaukelt, dass es kein Problem sei, innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten finanziell unabhängig zu werden. Das ist Unsinn. Und weil das Geschäftsmodell solcher Broker auf den eingenommenen Gebühren basiert, brauchen diese – weil ja regelmäßig die Kunden Pleite gehen – permanent „Nachwuchs“. So einfach ist das.

So fallen die Spreads bei eToro mit beispielsweise 3 Pips im EUR/USD im Vergleich zu vielen anderen Wettbewerbern sehr hoch aus. Wer viel tradet oder kurzfristig orientiert ist, für den ist ein derart hoher Spread völlig inakzeptabel, weil er richtig viel Geld frisst. Auch bei den Finanzierungskosten – Zinsen, die für Positionen fällig werden, die ein Trader über Nacht hält – langt eToro oft ganz schön zu. Und wer es wagt, jemals sich sein Geld jemals auszahlen zu lassen, wird kräftig abgeschöpft: eine kostenfreie Auszahlungsmethode gibt es bei eToro nicht! Es werden jeweils Gebühren zwischen fünf und 25 Euro fällig.

Doch selbst, wer es schafft, sein Konto nicht innerhalb kurzer Zeit implodieren zu lassen, weiß oft nicht, welche Risiken er mit der Kontoeröffnung eines solchen Brokers oft eingeht. Wer hat schon Lust, das Kleingedruckte zu lesen, die AGB (Allgemeine Geschäftsbedingungen)? Ich habe mir mal die Mühe gemacht und diese bei eToro eingesehen. Was da drin steht, übertrifft meine schlimmsten Vorstellungen. Kostprobe gefällig?

Unter Punkt 15.4 schreibt eToro: „Wir können Kundengelder auf Bankkonten im Europäischen Wirtschaftsraum („EWR“) halten. Darüber hinaus können wir Kundengelder auch auf Bankkonten in einem anderen Land außerhalb des EWR halten. Das bedeutet, dass für diese Banken möglicherweise andere Regeln, Vorschriften und Gesetze gelten, was dazu führt, dass im Falle einer Insolvenz auf einem Kundengeldkonto bei dieser Bank gehaltenes Geld möglicherweise anders behandelt wird als Geld, das bei einer EWR-Bank gehalten wird“, um dann kurz darunter auszuführen (15.8): „Im Fall eines Insolvenz- oder vergleichbaren Verfahrens in Bezug auf einen Dritten, der mit der Verwahrung Ihrer Kundengelder beauftragt wurde, können wir in Ihrem und im Namen unserer übrigen Kunden nur eine ungesicherte Forderung gegen die Partei geltend machen. Das bedeutet, dass Sie das Risiko tragen, dass der Geldbetrag, den wir von dem Dritten erhalten, nicht ausreicht, um Ihre und die Forderungen anderer Kunden mit in Bezug auf das jeweilige Konto bestehenden Forderungen zu befriedigen.“

Im Klartext: eToro kann Dein Geld auf irgendwelchen Banken „parken“, das bei einer Insolvenz dieser Bank futsch ist. Es ist also nicht automatisch über eine Einlagensicherung gesichert! Kurz darauf wird es noch besser (15.9): „Anstatt Ihr Geld in einem Kundengeldkonto zu halten, können wir Ihr Geld in Einheiten oder Anteile eines qualifizierten Geldmarktfonds einzahlen. (…) Anlagen in qualifizierte Geldmarktfonds gelten als risikoarm. Wenn der qualifizierte Geldmarktfonds jedoch ausfällt und Sie dadurch Geld verlieren, erstatten wir Ihnen unter Umständen dieses Geld, obwohl wir dazu nach geltendem Recht nicht verpflichtet sind.“ (Hervorhebungen von mir, T.B.)

Bitte lies Dir das ein zweites Mal durch; es ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten! eToro kann Dein Geld – nur für eToro zinsbringend – anlegen; wenn der entsprechende „qualifizierte Geldmarktfonds“ aber Pleite geht, wird eToro Dir Dein (!) Geld „unter Umständen“ erstatten! Wobei aber im selben Atemzug darauf hingewiesen wird, dass man dazu nicht verpflichtet ist! Die nehmen also Dein Geld, legen es für sich gewinnbringend an, und wenn der Fonds Pleite geht, ist Dein Geld futsch!

Auf solche Machenschaften hast Du keine Lust? Na, auch dafür gibt’s ne klare Regelung bei eToro (15.12): „Sie erklären Ihr ausdrückliches Einverständnis dazu, dass wir Ihr Geld in einen qualifizierten Geldmarktfonds anlegen. Ihre Zustimmung ist eine notwendige Voraussetzung dafür, dass wir Ihnen unsere Dienste anbieten können. Sollten Sie nicht zustimmen oder Ihre Meinung ändern, teilen Sie uns dies bitte schriftlich mit und wir werden Sie bei der Schließung Ihres eToro-Kontos unterstützen.“

Das spricht für sich. Mein Rat: Investiere nicht wie Simon, sondern wie ein kluger Anleger. Wähle Dir bitte einen seriösen Broker (ich selbst bin bei Captrader und damit sehr zufrieden).

 

 

 

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